Normale Trauer oder schon Depression
Trauer nach einem Todesfall oder ab und zu schlechte Stimmung bedeuten noch lange keine Depression. Ab wann Antriebslosigkeit oder Niedergeschlagenheit zur Krankheit wird, ist auch für den Arzt oft nicht leicht zu deuten. Er orientiert sich bei der Diagnosestellung an bestimmten Haupt- und Nebensymptomen und deren Dauer.Im Überblick
Schwierige Diagnosestellung
Die Probleme bei der Feststellung einer Depression sind: Wo hört eine normale und gesunde Trauerreaktion auf, und wo beginnt die Depression? Ist jemandes nervenaufreibende Negativität eine Charaktereigenschaft oder in Wirklichkeit eine seit langem bestehende Depression? Ist jemand krankhaft antriebsgehemmt oder einfach nur „faul”?
Hinzu kommen unsere Vorstellungen davon, wie jemand sein Leben anpacken sollte – da wird beispielsweise zänkisches Verhalten kritisiert, das in Wahrheit auf einer Krankheit beruht, die man behandeln kann und muss. Depressionen, die nicht erkannt werden, bedeuten für die Erkrankten nicht nur viel Leid und für die Angehörigen eine starke Belastung. Es besteht auch immer die Gefahr, dass der Erkrankte sich das Leben nimmt.
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Hinweise auf eine Depression
Wenn jemand über längere Zeit (mehr als ein paar Tage) deutlich niedergeschlagen ist, sollten bestimmte Indizien an eine Depression denken lassen:
- Schlafprobleme: Die Betroffenen wachen immer wieder in den frühen Morgenstunden, manche sogar mitten in der Nacht auf und finden keinen Schlaf mehr. Sie wälzen sich unruhig hin und her oder verlassen für Stunden das Bett. Nach dem Aufstehen sind sie niedergeschlagen, und ihre Stimmung bessert sich erst gegen Abend. Manche Patienten, die schon seit Langem Schlafstörungen haben, entwickeln eine regelrechte Angst vor dem Zubettgehen. Denn nachts und in wachem Zustand ist das depressive Erleben besonders bedrückend.
- Äußerungen über totalen Lebensverdruss („Ich mag nicht mehr“, „Es ist doch eh alles sinnlos“) oder Selbstmordabsichten („Am liebsten würde ich mit dem Auto gegen eine Mauer fahren“) sollten Beteiligte unbedingt ernst nehmen.
- Teilnahmslosigkeit: Depressive fühlen sich oft innerlich wie tot und unfähig zu einer Gefühlsregung. Gute Laune um sie herum, Erregung und Freude springen nicht mehr auf sie über.
- Ständiges Gedankenkreisen um Schuld, Krankheit und Verarmung. Außenstehende haben dann das Gefühl, auch mit den besten Argumenten nicht mehr zu dem Betroffenen durchzudringen. Selbst wenn sie „Gegenbeweise” erbringen, lässt sich der Erkrankte nicht überzeugen. Im Gegenteil: Er verstrickt sich immer tiefer in seinen wahrhaften Ideen von Schuld und Versagen oder schwerer Erkrankung.
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Selbsttest: Habe ich eine Depression?
Möglicherweise haben Sie schon einmal gedacht, Sie oder eine Ihnen nahestehende Person leide vielleicht an einer Depression. Eine Depression ist gar nicht so leicht zu diagnostizieren. Denn vieles, was man in einer depressiven Episode erlebt, kann auch ein gesunder Mensch erleben. Wenn sie es also genauer wissen möchten, finden Sie unter
vitanet.de - Selbsttest Depression einen Selbsttest . Bitte beachten Sie dabei: Durch den Selbsttest können Sie natürlich keine endgültige Diagnose stellen und wissen auch nicht, welche Therapie die richtige ist. Aber: Sie können den Test ausfüllen und mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Gemeinsam mit ihm können Sie sich die nächsten Schritte überlegen.
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Was der Arzt wissen will
Möglicherweise haben Sie den Selbsttest gemacht und herausgefunden, dass alles auf eine Depression hindeutet. Und auch wenn Sie ohne diese „Bestätigung“ bei sich eine Depression vermuten, sollten Sie zu Ihrem Hausarzt gehen. Für gewöhnlich wird dieser dann eine Reihe von körperlichen Untersuchungen vornehmen – zum Beispiel Blut abnehmen, um etwa eine Schilddrüsenerkrankung auszuschließen.
Liegen keine Anhaltspunkte für eine körperliche Ursache der Schwermut und Unlust vor, kann der Hausarzt bei einer leichteren Form der Depression gemeinsam mit Ihnen nach einer Behandlung suchen. Liegt eine schwere Depression vor oder weist alles auf eine
bipolare Störung hin, werden Sie wahrscheinlich an einen Spezialisten – meist einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie – überwiesen. Das ist auch dann angeraten, wenn außer der Depression noch andere Krankheitsbilder seelischer oder körperlicher Art vorliegen. Denn dann ist die Therapie entsprechend komplizierter.
Symptome der Depression Bei Verdacht auf eine Depression interessiert den Arzt eine Reihe von Symptomen, die in Hauptsymptome und Nebensymptome unterschieden werden:
Hauptsymptome
- die Stimmung ist gedrückt
- der Betroffene empfindet keinerlei Freude am Leben
- der Antrieb ist vermindert
Nebensymptome
- Suizidgedanken
- geringes Selbstwertgefühl
- Schuld- und Versagensgefühle
- Schlafprobleme
- Appetitstörungen
- Konzentrationsstörungen
- gehemmtes oder unruhiges Verhalten
Die Verdachtsdiagnose erhärtet sich, wenn mindestens zwei Hauptsymptome und mindestens zwei Nebensymptome auftreten. Waren diese Symptome über mindestens 14 Tage zu beobachten, kann man die Diagnose als gesichert betrachten. Je mehr Symptome über einen bestimmten Zeitraum – die depressive Episode – hinweg auftreten, umso schwerer ist im Allgemeinen die Depression. Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der Schwere einer Depression ist die Frage, wie gut ein Patient seinen Alltag bewältigen kann:
- Der Depressive ist noch in der Lage, seinen beruflichen oder sonstigen Anforderungen einigermaßen gerecht zu werden (leichte depressive Episode)
- Alltägliche Pflichten bleiben ganz oder teilweise liegen, weil der Betroffene nicht mehr die Kraft findet, sie zu erledigen (mittelgradige depressive Episode)
- Der Kranke muss – eventuell in einer Klinik – rund um die Uhr betreut werden (schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome)
- Der Kranke muss – eventuell in einer Klinik – rund um die Uhr betreut werden und leidet unter wahnhaften Schuld-, Versagens- und Verarmungsgedanken und/oder Krankheitsängsten (schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen).
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